Nachdem sich das heliozentrische Weltbild am Beginn der Neuzeit langsam durchgesetzt hatte, kannte man also sechs Planeten: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter und Saturn (siehe Weltallwissend 11 „Was ist ein Planet? – Teil 1: Von Wanderern am Sternenhimmel“). Damals dachten alle, die Menschen würden nun das gesamte Sonnensystem kennen und hinter Saturn würde man keinen weiteren Planeten mehr finden.
1781 suchte der Astronom Wilhelm Herschel mit seinem Teleskop nach schwach leuchtenden Sternen, als er einen fand, der größer wirkte als die anderen. In der nächsten Nacht hielt Herschel wieder nach ihm Ausschau – und der Himmelskörper hatte sich bewegt. Jedoch war dem Forscher klar, dass es sich keinesfalls um einen weiteren Planeten handeln konnte, denn die waren ja schließlich alle bereits in der Antike entdeckt worden. Er vermutete, dass es sich bei dem Objekt um einen sehr nahen Kometen handelte.
In den nächsten Tagen dokumentierte Wilhelm Herschel die Bahn seines Kometen und stellte fest, dass sich dieser weit außerhalb von Saturn um die Sonne drehte und viel größer war als ein Komet – sogar deutlich größer als die Erde! Wilhelm Herschel hatte tatsächlich einen weiteren Planeten entdeckt! 60 Jahre später wurde entschieden, ihn Uranus zu nennen.
Da man nun wusste, dass es durchaus möglich war, dass es noch mehr Planeten in unserem Sonnensystem gibt, begannen Astronomen, den Himmel systematisch nach ihnen abzusuchen. Der Erfolg stellte sich jedoch ein weiteres Mal ein, als der Entdecker in Wirklichkeit gar nicht nach Planeten suchte, sondern nach Sternen (wie auch Wilhelm Herschel). Dabei fand der Italiener Giuseppe Piazzi im Jahr 1801 den achten Planeten Ceres, dessen Bahn sich zwischen denen von Mars und Jupiter befindet.
Sie haben wahrscheinlich noch nie etwas von dem „Planeten Ceres“ gehört. Aber nicht alle Körper, die mal als Planeten galten, müssen ja auch heute noch als Planeten gezählt werden. Darauf werde ich jedoch gleich noch zurückkommen.
In den folgenden Jahren wurden zwischen den Umlaufbahnen noch Mars und Jupiter noch weitere Objekte entdeckt, bis man schließlich zwölf Planeten zählte: Merkur, Venus, Erde, Mars, Vesta, Juno, Ceres, Pallas, Astraea, Jupiter, Saturn und Uranus. Als Johann Gottfried Galle 1846 Neptun entdeckte, war dieser der 13. Planet in unserem Sonnensystem. Das Teleskop, mit dem der Eisriese gefunden wurde, befindet sich übrigens bis heute im Deutschen Museum in München.
Neptun war der erste Himmelskörper, dessen Existenz bereits vor seiner Beobachtung von der theoretischen Himmelsmechanik vorhergesagt wurde. Schließlich übt der Planet eine Gravitationskraft auf den nächsten Planeten Uranus aus und beeinflusst ihn in seiner Bahn. Diese Bahnabweichung von Uranus fiel Astronomen schon mehrere Jahre vor Neptuns Entdeckung auf. Der französische Astronom Urbain Jean Joseph Le Verrier vermutete einen weiteren Planeten hinter Uranus und rechnete aus, wo der Planet zu finden sein müsste. Johann Gottfried Galle brauchte lediglich sein Teleskop auf die von Le Verrier beschriebene Stelle zu richten, schon war ein neuer Planet entdeckt worden!
Nachdem zwischen Mars und Jupiter immer mehr Körper entdeckt wurden, veröffentlichte die Royal Astronomical Society wenige Jahre später eine Liste von 23 Objekten, die man von da an als Kleinplaneten oder Asteroiden bezeichnete, sie aber nicht zu den Planeten zählte. Die größten von ihnen waren Ceres, Vesta, Juno, Pallas und Astraea. Sie gehörten nun also nicht mehr zu den Planeten. Damit gab es acht Planeten in unserem Sonnensystem.
In den Jahrzehnten nach Neptuns Entdeckung fielen Astronomen jedoch weitere Abweichungen in den Bahnen von Uranus und Neptun auf und sie vermuteten auch hinter Neptun noch einen weiteren Planeten. Viele Forscher suchten daraufhin nach diesem neunten Planeten. Einer von ihnen war Percival Lowell, er versuchte, die Position des unbekannten Objektes auszurechnen und jagte es einige Jahrzehnte. Auch nach seinem Tod 1916 dienten seine Berechnungen als Grundlage für die weitere Forschung.
1930 entdeckte schließlich der erst 24-jährige Clyde W. Tombaugh Pluto, wie der Himmelskörper später benannt wurde – genau an dem Observatorium, das Percival Lowell 36 Jahre zuvor gegründet hatte. Seine Entdeckung veröffentlichte der junge Astronom am 13. März 1930 – nicht nur, weil das der Jahrestag von Uranus‘ Entdeckung war, sondern auch, da Percival Lowell an diesem Tag 75 Jahre alt geworden wäre.
Später stellte sich heraus, dass Pluto viel kleiner war, als man anhand der Umlaufbahnen von Uranus und Neptun berechnet hatte. Er konnte also nicht für deren Abweichungen verantwortlich sein. Daraufhin fahndeten Astronomen wieder nach einem weiteren Planeten, bis die Sonde Voyager 2 an den beiden Gasriesen vorbeiflog und ihre Masse genau berechnete. Mit diesen Werten ergaben die Rechnungen genau die Umlaufbahnen, die man beobachtete. Für die Entdeckung Plutos war also ein simpler Fehler in den Messungen verantwortlich. Seit jedoch auch bei einigen Objekten hinter Pluto, zum Beispiel Sedna, wieder Bahnabweichungen gemessen wurden, ist die Diskussion über einen „Planet X“ wieder entbrannt…
Nun kannte man in unserem Sonnensystem also neun Planeten. Doch auch diese Zahl sollte sich keine 100 Jahre halten können. Darum wird es am 9. August im nächsten Weltallwissend-Beitrag gehen.
Quellen:
- Mike Brown: Wie ich Pluto zur Strecke brachte und warum er es nicht anders verdient hat (Buch)
- https://www.br.de/pluto/pluto-zwergplanet-entdeckung-100.html
- https://www.astronews.com/news/artikel/2003/05/0305-017.shtml
- https://www.spiegel.de/geschichte/pluto-entdeckung-a-948752.html
- https://astrokramkiste.de/wie-viele-planeten